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Präzision, Tiefe und ein stiller Moment zu Weihnachten – Ryuichi Sakamoto

Ryuishi Sakamoto: "The project was conceived as a way to record my performances - while I was still able to perform - in a way that is worth preserving for the future."

Die Weihnachtszeit lädt dazu ein, langsamer zu werden. Wir hören genauer hin, verbringen Zeit mit Menschen, die uns wichtig sind, und nehmen Dinge bewusster wahr, die sonst im Alltag untergehen.


Ein Video, das diesen Gedanken auf besondere Weise trägt, zeigt den japanischen Komponisten und Pianisten Ryuichi Sakamoto am Klavier. Aufgenommen wurde es von seinem Sohn Neo Sora – ohne Publikum, ohne Inszenierung, in einem leeren Studio in Tokio.


Sakamoto spielt „Merry Christmas Mr. Lawrence“.


Ein Moment voller Präsenz

Dieses Stück hatte Sakamoto unzählige Male gespielt. Und doch wirkt diese Aufnahme anders.

Sie ist ruhig, konzentriert, beinahe zurückgenommen. Jeder Ton scheint bewusst gesetzt, nichts ist beiläufig. Neo Sora beschrieb es später so:

„He had played this song thousands of times. Here, he played it like the first.“

Sakamotos Spiel ist von großer technischer Klarheit. Doch es ist nicht die Virtuosität, die berührt, sondern die Reduktion. Kein Ton drängt sich in den Vordergrund. Pausen sind ebenso wichtig wie Klänge. Diese Form von Präzision entsteht nicht aus Perfektionismus, sondern aus Erfahrung - und aus dem Vertrauen, dass Musik für sich sprechen darf.


Wer dieses Video ansieht, merkt schnell: Hier geht es nicht um Tempo oder Wirkung, sondern um Zeit. Zeit, die bewusst genommen wird. Zeit, die man nicht festhält, sondern erlebt. Gerade in der Weihnachtszeit erinnern uns solche Momente daran, wie wertvoll es ist, wirklich da zu sein: beim Spielen, beim Zuhören, beim Zusammensein.


Musik begleitet uns oft ein Leben lang. Manche Stücke verbinden Generationen, Erinnerungen und Gefühle, ohne viele Worte zu brauchen. In dieser Aufnahme spürt man, wie Musik weitergegeben wird — von einer Hand zur nächsten, von einem Moment zum nächsten.Nicht laut, nicht erklärend, sondern ganz selbstverständlich.


Warum uns dieses Video bei Melovelle berührt

Bei Melovelle verstehen wir Musik als etwas, das Sorgfalt und Aufmerksamkeit verdient. Technik ist wichtig — aber sie entfaltet ihre Wirkung erst, wenn sie mit Ruhe und innerer Klarheit verbunden ist. Das Video von Ryuichi Sakamoto steht sinnbildlich für genau diese Haltung: für Gestaltung statt Effekte, für Tiefe statt Eile, für Präsenz statt Perfektion.


Ein stiller Weihnachtsgedanke

Vielleicht nehmen Sie sich in den kommenden Tagen ein paar Minuten Zeit, dieses Video bewusst anzusehen — oder einfach zuzuhören. Ohne Ziel, ohne Ablenkung. Manchmal genügt ein einzelnes Stück Musik, um uns daran zu erinnern, warum wir spielen. Und warum es sich lohnt, genau hinzuhören.

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